Qualitätssicherung in der additiven Fertigung: CT-Prüfung für 3D-Druck-Bauteile

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Additive Fertigung kann nahezu jede Geometrie realisieren. Aber genau das macht die Qualitätssicherung so anspruchsvoll: Innenliegende Gitterstrukturen, Kanäle, Hinterschneidungen und komplexe Wandstärkenverläufe lassen sich von außen weder sehen noch messen. Die Qualität eines additiv gefertigten Bauteils entscheidet sich im Inneren, Schicht für Schicht.

Industrielle Computertomographie ist das einzige Prüfverfahren, das ein 3D-Druck-Bauteil vollständig erfasst: Geometrie, innere Struktur, Defekte und Materialverteilung in einem einzigen Scan. Zerstörungsfrei, rückführbar und ohne das Bauteil zu berühren. Für Unternehmen, die additiv gefertigte Bauteile in der Automobilindustrie, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt oder im Maschinenbau einsetzen, ist CT die Methode, die aus einem Fertigungsverfahren mit vielen Einflussfaktoren einen kontrollierbaren Prozess macht.

Warum CT? Weil 3D-Druck-Qualität von innen kommt.

Der Druckprozess in der additiven Fertigung metallischer Bauteile wird von mehr als 50 Parametern beeinflusst: Laserleistung, Scangeschwindigkeit, Schichtdicke, Pulverqualität, Schutzgasatmosphäre, Bauraumtemperatur und viele mehr. Jeder dieser Einflussfaktoren kann Defekte verursachen, die an der Oberfläche des Bauteils nicht sichtbar sind.

Optische Verfahren und 3D-Scanner erfassen nur die Außenkontur. Taktile Messtechnik misst einzelne Punkte. Beide Methoden sind blind für das, was im Inneren eines additiv gefertigten Bauteils passiert. CT dagegen durchstrahlt das gesamte Bauteil und erzeugt ein vollständiges 3D-Volumenmodell, in dem jeder Defekt, jede Geometrieabweichung und jede Wandstärke identifiziert und quantifiziert werden kann. In einem einzigen Scan, zerstörungsfrei.

Die CT ermöglicht es dabei auch, komplexe Bauteile ganzheitlich zu erfassen, inklusive verborgener und schwer zugänglicher Oberflächen und Ungänzen. Topologieoptimierte Leichtbauteile, organische Gitterstrukturen, innenliegende Kühlkanäle: All diese Geometrien, die konventionelle Prüfverfahren überfordern, sind für CT Standardaufgaben. Anschließend kann der Scan des Real-Bauteils mit dem Soll-Bauteil verglichen werden, über jede noch so komplexe Oberfläche hinweg.

Typische Fehler bei additiv gefertigten Bauteilen aus Metall

Bei Verfahren der additiven Fertigung metallischer Werkstoffe wie SLM (Selective Laser Melting), EBM (Electron Beam Melting) oder DMLS (Direct Metal Laser Sintering) entstehen spezifische Defekte, die sich nur durch einen Blick ins Innere des Bauteils erkennen lassen.

Porosität

Die Anzahl der Poren beeinflusst die Dichte des Bauteils maßgeblich. Viele Poren führen zu einer geringen Dichte und beeinflussen die mechanischen Eigenschaften. Eine hohe Porosität kann besonders bei großen Belastungen zu Rissen oder anderen Beschädigungen [infolge lokaler Spannungsspitzen ] führen. CT erfasst jede einzelne Pore und ermöglicht eine statistische Bewertung: Anzahl, Größe, Verteilung und Position werden dokumentiert. Auf dieser Basis lassen sich die Bauteileigenschaften beurteilen und der Druckprozess gezielt optimieren.

Poren im additivgefertigtem Radträger
CT erfasst auch, was von außen nicht sichtbar ist: Schnittebene durch das Gehäuse.

Risse und Verwerfungen

Beim Abkühlen des geschmolzenen Metalls nach dem Drucken können Restspannungen entstehen, die zu Rissbildung und Verformung führen. Risse können auch durch Pulvermaterial entstehen, das nicht ordnungsgemäß geschmolzen wurde. CT macht Rissverläufe in 3D sichtbar und zeigt Tiefe, Ausdehnung und Orientierung.
Riss an einem additiv gefertigten Turbinenrad - CT-Querschnitt zeigt den Rissverlauf im Bauteilinneren
CT erfasst auch, was von außen nicht sichtbar ist: Schnittebene durch das Gehäuse.
Riss im Längsschnitt - Ausdehnung und Tiefe werden dreidimensional erfassbar
CT erfasst auch, was von außen nicht sichtbar ist: Schnittebene durch das Gehäuse.

Stützstrukturreste

An schwer zugänglichen Stellen bleiben Stützstrukturen nach dem Post-Processing häufig unentdeckt. CT lokalisiert diese Reste in Hohlräumen und Kanälen, wo sie die Funktion des Bauteils beeinträchtigen können.

Radträger aus additiver Fertigung - CT zeigt Stützstrukturreste an schwer zugänglichen Stellen und Poren im Materialinneren
CT erfasst auch, was von außen nicht sichtbar ist: Schnittebene durch das Gehäuse.

Einschlüsse und Lack of Fusion

An schwer zugänglichen Stellen bleiben Supportstrukturen nach dem Post-Processing häufig unentdeckt. CT lokalisiert diese Reste in Hohlräumen und Kanälen, wo sie die Funktion des Bauteils beeinträchtigen können.

Maßabweichungen und Wandstärken

Neben Materialdefekten prüft CT auch die Geometrie: Ein Soll-Ist-Vergleich gegen die CAD-Daten zeigt Abweichungen durch Verzug, Schrumpfung oder thermischen Verzug farbcodiert und quantifiziert, über das gesamte Bauteil hinweg. Topologieoptimierte Bauteile mit variablen Wandstärken werden auf zu dünne Wände untersucht, die die mechanische Belastbarkeit gefährden. So entsteht ein vollständiges Bild der Qualität eines additiv gefertigten Bauteils.

Probleme bei additiv gefertigten Bauteilen aus Kunststoff

Bei der Herstellung von Bauteilen mit 3D-Kunststoffdruck (FDM/FFF, SLS, MJF) treten andere Fehlerbilder auf als bei Metall. Typische Beispiele:

Verzug durch Abkühlspannung: Ungleichmäßiges Abkühlen führt zu Verformungen, die von der CAD-Vorgabe abweichen. CT zeigt die tatsächliche Geometrie im Vergleich zum Soll.

Über- oder Unterextrusion: Zu viel oder zu wenig Material pro Schicht beeinflusst Wandstärken, Dichte und mechanische Eigenschaften des Bauteils. CT macht diese Schwankungen über das gesamte Volumen sichtbar.

Ablösen von Schichten (Delamination): Die Ursachen sind unterschiedlich. Eine Unterextrusion kann zu mangelnder Schichthaftung oder nicht geschlossenen Flächen führen. Andere Gründe: Die Schichten lösen sich aufgrund einer zu großen Schichthöhe bezogen auf den Düsendurchmesser oder zu niedriger Drucktemperaturen.

Lokale Überhitzung und Fädenziehen: Beides beeinflusst die Oberflächenbeschaffenheit und kann zu Geometrieabweichungen führen.

Delamination - CT-Schnitt zeigt den Spalt zwischen einzelnen 3D-Druck-Schichten
CT erfasst auch, was von außen nicht sichtbar ist: Schnittebene durch das Gehäuse.

Ein Blick in die inneren Strukturen ermöglicht es, mangelhafte Bauteile auszusortieren und Anhaltspunkte für die Optimierung der zukünftigen Fertigung zu gewinnen. Sind Sie unsicher, ob die gefertigten Teile Ihren Qualitätsanforderungen genügen? Industrielle Computertomographie verschafft Gewissheit. Das Beste: Mit dieser zerstörungsfreien Prüfmethode können alle geprüften Teile nach der Inspektion weiterverwendet werden.

CT-Prüfung additiv gefertigter Bauteile bei Microvista

Microvista prüft additiv gefertigte Bauteile aus Metall, Kunststoff und Verbundwerkstoffen. Unsere industriellen CT-Systeme erfassen Objekte mit einem max. Hüllkreis von 715 mm und bis zu 1600 mm Länge. Die Auflösung im Mikrometerbereich macht selbst kleinste Poren und Fehlstellen sichtbar.

Leistungen für die additive Fertigung:

Mit der von uns durchgeführten industriellen CT können einzelne Schichten eines Bauteils auf zweidimensionale Weise untersucht oder das gesamte Volumen in 3D dargestellt werden. Durch unsere fortschrittlichen CTs und unsere Software ist eine automatische, schnelle und kostengünstige Prüfung möglich. Die Anzeigenerkennbarkeit ist dabei abhängig von der kumulierten Wandstärke und dem Material, da jedes Material eine unterschiedlich hohe Röntgenabsorption besitzt.

Wir arbeiten mit Herstellern, Zulieferern und Auftragsfertigern der additiven Fertigung zusammen. Ob Einzelbauteil in der Entwicklung, Prüfkörper zur Prozessqualifizierung oder wiederkehrende Qualitätskontrolle in der Serienfertigung: Wir passen den Prüfumfang an Ihre Anforderungen und Qualitätsstandards an.

Piktogramm - Industrielle Computertomographie führt zum Erfolg

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    Häufige Fragen zur Qualitätssicherung im 3D-Druck

    Optische und taktile Methoden erfassen nur die Außenkontur. Die kritischen Qualitätsmerkmale additiv gefertigter Bauteile, wie Porosität, Schichthaftung, Einschlüsse und Kanalgeometrien, liegen aber im Inneren. CT erzeugt ein vollständiges 3D-Volumenmodell und macht diese Merkmale messbar, ohne das Bauteil zu beschädigen.
    Grundsätzlich alle: SLM, EBM, DMLS, SLS, MJF, FDM/FFF, Binder Jetting und weitere. Die CT-Prüfung ist materialübergreifend und funktioniert bei Metallen, Kunststoffen und Verbundwerkstoffen.
    Die Kosten hängen von Bauteilgröße, erforderlicher Auflösung und Prüfumfang ab. Eine reine Porositätsanalyse ist günstiger als eine vollständige Erstmusterprüfung mit Soll-Ist-Vergleich und Wandstärkenanalyse. Kontaktieren Sie uns für ein individuelles Angebot.
    Ja. Durch die systematische Analyse von Prüfkörpern und Bauteilen mit unterschiedlichen Prozessparametern lassen sich die Einflussfaktoren auf die Bauteilqualität quantifizieren. CT liefert die Datenbasis für gezielte Verbesserungen am Druckprozess und unterstützt so die Optimierung der gesamten Prozesskette.
    Ja. CT wird sowohl für Stichprobenprüfungen als auch für 100%-Prüfungen eingesetzt. Automatisierte Auswertungen ermöglichen kurze Durchlaufzeiten. Trendanalysen helfen, Prozessschwankungen frühzeitig zu erkennen und die gleichbleibende Bauteilqualität sicherzustellen.
    Ja. Die DIN SPEC 17071 definiert Anforderungen an Anlagen, Materialien und Prozesse in der additiven Fertigung. Die VDI 3405 behandelt Qualifizierung und Nachbearbeitung, insbesondere beim Strahlschmelzen metallischer Bauteile. Beide Normen fordern eine dokumentierte Bauteilprüfung, schreiben aber kein bestimmtes Prüfverfahren vor. CT ist eine der Methoden, mit denen sich diese Anforderungen erfüllen lassen. Für die CT-Messtechnik selbst gilt die VDI/VDE 2630, die Anforderungen an Computertomographie in der dimensionellen Messtechnik definiert.