Wie Messtechnik und industrielle Computertomographie den APQP-Prozess absichern: APQP plant Qualität, bevor die Serie beginnt und industrielle CT liefert die Messdaten, die diese Planung belastbar machen. Damit aus Anforderungen, FMEA und Kontrollplänen belastbare Entscheidungen werden, braucht es Messungen am realen Bauteil. CT ergänzt die klassische Messtechnik dort, wo innere Strukturen, verdeckte Geometrien oder Defekte zerstörungsfrei und dreidimensional bewertet werden müssen.
Sie setzen APQP gerade praktisch um? Die Prüfschritte aller fünf Phasen gibt es als Excel-Checkliste zum Abhaken, mit Status-Dashboard und Terminplan.
Inhaltsverzeichnis
Qualität planen heißt auch: Messbarkeit planen
Advanced Product Quality Planning (APQP) ist eine strukturierte Qualitätsvorausplanung von der Produktidee bis zur stabilen Serie. Sie soll sicherstellen, dass die geforderten Ablaufschritte, also die Ausführung der einzelnen Schritte je Phase, rechtzeitig finalisiert werden und das Produkt für den Kunden zufriedenstellend ist. Der Grundgedanke: Die Qualitätssicherung setzt in der Entwicklungs- und Planungsphase an, anstatt später in der Serienproduktion. Das Verfahren verbindet Kundenanforderungen, Produktentwicklung, Prozessentwicklung, Validierung und kontinuierliche Verbesserung. Einen verbindlichen Rahmen geben etablierte Methoden:
- QFD (Quality Function Deployment) zur Übersetzung der Kundenanforderungen,
- DFMEA und PFMEA zur Risikobewertung von Design und Prozess,
- Kontrollplan für die Prozesslenkung, auch QM-Plan oder Steuerungsplan genannt (Control Plan) [6],
- Überprüfung von Kavitäten auf Grat, Kernreste & Späne
Diese Methoden bleiben aber auf belastbare Informationen angewiesen. Erst Messungen am realen Bauteil zeigen, ob ein Konstruktionsmerkmal tatsächlich hergestellt werden kann, wie Prozessparameter die Produktqualität beeinflussen und ob der Serienprozess die Anforderungen reproduzierbar erfüllt. Messtechnik ist deshalb kein nachgelagerter Prüfschritt, sondern eine zentrale Informationsquelle des gesamten APQP-Prozesses.
Kernaussage: APQP legt fest, was erreicht und beherrscht werden muss. Die Messtechnik liefert den objektiven Nachweis. Industrielle CT erweitert diesen Nachweis auf das vollständige Bauteilvolumen.
Die Rolle der Messtechnik im APQP
Eine durchgängige Messstrategie beantwortet bereits zu Projektbeginn vier Fragen:
- Welche Produkt- und Prozessmerkmale sind qualitäts- oder funktionskritisch?
- Mit welchem Messverfahren lassen sich diese Merkmale in der erforderlichen Genauigkeit erfassen?
- Ist das Messsystem für Entwicklungsversuche, Fähigkeitsnachweise und spätere Serienprüfungen geeignet?
- Wie werden Messdaten dokumentiert, verglichen und in FMEA, Kontrollplan sowie Prozessregelung zurückgeführt?
Nicht jedes Merkmal verlangt dasselbe Verfahren. Taktile Koordinatenmesstechnik ist für zugängliche Einzelmaße häufig sehr genau; optische Systeme erfassen Oberflächen schnell und flächenhaft; 2D-Röntgen, Ultraschall und weitere zerstörungsfreie Verfahren beantworten jeweils spezifische Fragen.
Die industrielle CT wird besonders interessant, wenn mehrere äußere und innere Merkmale in einem gemeinsamen 3D-Datensatz untersucht werden sollen.
Was industrielle CT zusätzlich leistet
Bei der CT wird das Bauteil aus vielen Richtungen durchstrahlt und als dreidimensionales Volumen rekonstruiert. Dadurch lassen sich äußere und innere Strukturen zerstörungsfrei untersuchen. Abhängig von Bauteilgröße, Werkstoff, Prüfaufgabe und geforderter Auflösung sind insbesondere folgende Auswertungen möglich:
- dimensionelle Prüfung und Soll-Ist-Vergleich mit CAD-Daten,
- Messung von Wandstärken, Innenmaßen und schwer zugänglichen Geometrien,
- Analyse von Poren, Lunkern, Rissen und Einschlüssen nach Größe und Lage,
- Kontrolle von Montage-, Füge- und Verbindungssituationen, auch auf Ebene der Baugruppen,
- Vergleich von Prototypen, Varianten, Werkzeugen, Kavitäten und Prozesszuständen,
- Archivierung eines digitalen 3D-Befunds für spätere Auswertungen.
CT ersetzt daher nicht pauschal andere Messverfahren. Sie schließt vielmehr eine Informationslücke: Während konventionelle Verfahren meist ausgewählte zugängliche Merkmale oder Projektionen liefern, kann CT viele relevante Merkmale räumlich, zerstörungsfrei und in ihrem gegenseitigen Zusammenhang erfassen.

Messtechnik und CT in den fünf APQP-Phasen
Der größte Nutzen entsteht, wenn die Prüfstrategie nicht erst zur Bemusterung festgelegt wird. Sie sollte parallel zum Produkt und zum Fertigungsprozess entwickelt werden, Phase für Phase.
Planung und Definition
Kundenanforderungen, Qualitätsziele, kritische Merkmale. Messbarkeit wird jetzt geklärt, nicht in Phase 4.
Produktentwicklung
DFMEA, Prototypen fertigen und vermessen: Entspricht das reale Bauteil dem Design, auch im Inneren?
Prozessentwicklung
PFMEA, Kontrollplan, Prüfplanung. Messdaten aus Versuchsteilen sichern das Prozessfenster ab.
Validierung
Probelauf unter Serienbedingungen, MSA, Erstmusterprüfung, Fähigkeitsnachweise: die Basis für PPF und PPAP.
Serie
SPC, Trendüberwachung, Ursachenanalyse. Serienbegleitende Prüfung erkennt Drift, bevor Ausschuss entsteht.
Zwischen den Phasen liegen Quality Gates, an denen über den Übergang in die nächste Phase entschieden wird.
Phase 1: Planung und Definition
Am Anfang wird festgelegt, was das Produkt leisten muss und woran sich das später messen lässt.
Ziel der Phase. Zunächst werden die Bedürfnisse und Erwartungen des Kunden verstanden, etwa aus dem Lastenheft; dann werden die Rahmenbedingungen des Projektes festgelegt und Qualitäts- und Zuverlässigkeitsziele sowie die grundlegenden Produkt- und Prozessrisiken definiert.
Bedeutung der Messtechnik. Kritische Merkmale müssen nicht nur spezifiziert, sondern auch messbar sein. Schon jetzt sollte geklärt werden, welche Genauigkeit erforderlich ist, wie Prüfungen später durchgeführt werden und welche Daten für Freigaben benötigt werden.
Beitrag der industriellen CT. Anhand von CAD-Daten, Werkstoff, Bauteilgröße und geforderter Detailerkennbarkeit lässt sich früh bewerten, ob CT technisch geeignet ist. So können nicht prüfbare Spezifikationen, unrealistische Auflösungsanforderungen oder spätere Kapazitätsengpässe vermieden werden.
Mögliche Arbeitsergebnisse: vorläufiges Mess- und Prüfkonzept, Machbarkeitsanalyse zur CT-Eignung, Dokumentation einer Herstellbarkeitsüberprüfung mit dem Lieferanten, Definition kritischer Merkmale und Datenanforderungen.
Phase 2: Produktentwicklung
In dieser Phase zeigen Prototypen, ob das Design hält, was die Konstruktion verspricht.
Ziel der Phase. Das Produktdesign wird konkretisiert, Risiken werden in der DFMEA bewertet und Prototypen werden hergestellt.
Bedeutung der Messtechnik. Messdaten prüfen, ob das reale Bauteil die konstruktiven Annahmen erfüllt. Sie unterstützen Design Reviews, Toleranzentscheidungen und die Beurteilung besonderer Merkmale. Wichtig ist dabei nicht nur die Abweichung vom Soll, sondern auch deren mögliche funktionale Wirkung.
Beitrag der industriellen CT. CT beschleunigt Entwicklungsschleifen, weil Prototypen ohne Zerlegen oder Aufschneiden vollständig untersucht werden können; der Vergleich mit CAD-Daten macht lokale Abweichungen unmittelbar sichtbar.
Mögliche Arbeitsergebnisse: Prototypenbefunde, Soll-Ist-Vergleiche, abgesicherte DFMEA-Annahmen und Hinweise zur Designoptimierung.
Phase 3: Prozessentwicklung
Phase 3 beschäftigt sich ebenfalls mit dem Produktdesign, der Fokus liegt aber auf dem Prozess: Hier wird aus Produktmessung Prozesswissen.
Ziel der Phase. Der Fertigungsablauf wird ausgelegt, Prozessrisiken werden in der PFMEA (Prozess-FMEA) bewertet und ein robuster Prozess sowie ein geeigneter Kontrollplan werden entwickelt.
Bedeutung der Messtechnik. Teile aus Versuchsreihen und Vorserien werden mit Prozessparametern verknüpft. Dadurch lässt sich erkennen, welche Einstellungen, Werkzeuge oder Kavitäten relevante Qualitätsmerkmale beeinflussen und wo ein belastbares Prozessfenster liegt.
Beitrag der industriellen CT. CT liefert quantitative Zielgrößen für Versuchsplanung und Ursachenanalyse, beispielsweise Porenvolumen, Defektgrößen, Lageabweichungen, Verzug oder Wandstärken. Weil das Bauteil zerstörungsfrei bleibt, können CT-Befunde zudem mit Funktions- oder Belastungsprüfungen am selben Teil korreliert werden. Ein Beispiel aus der Praxis: Bei Hairpin-Statoren dient die Porenbewertung der Schweißnaht als Zielgröße, die mit den Schweißparametern korreliert wird; auf dieser Basis hat Microvista über 100.000 Hairpin-Schweißungen ausgewertet.
Mögliche Arbeitsergebnisse: Datenbasis für PFMEA und Kontrollplan, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, Vergleich von Prozessvarianten, Werkzeugen oder Kavitäten sowie Festlegung eines robusten Prozessfensters.

Phase 4: Produkt- und Prozessvalidierung
Diese Phase entscheidet über die Freigabe: Hier entstehen EMPB-, PPF- und PPAP-Nachweise.
Ziel der Phase. Unter seriennahen Bedingungen wird nachgewiesen, dass Produkt und Fertigungsprozess reproduzierbar die Anforderungen des Kunden erfüllen.
Bedeutung der Messtechnik. Die eingesetzten Messsysteme müssen geeignet sein und nachvollziehbare Ergebnisse liefern. Messsystemanalyse, Erstmusterprüfung und Fähigkeitsuntersuchungen schaffen die Datenbasis für PPF [5] beziehungsweise PPAP [2]. Dabei ist zwischen Produktkonformität und Prozessfähigkeit zu unterscheiden: Ein gutes Einzelteil belegt noch keinen stabilen Prozess.
Beitrag der industriellen CT. CT stellt vollständige 3D-Datensätze für Erstmuster bereit. Entscheidend in dieser Phase: Für Fähigkeitskennwerte müssen Prüfmerkmal, Auswerteverfahren, Stichprobe und Eignung des Messprozesses eindeutig definiert sein. Nicht jede CT-Auswertung ist automatisch ein für Fähigkeitsnachweise geeigneter Messprozess.
Mögliche Arbeitsergebnisse: EMPB beziehungsweise PPF-/PPAP-Nachweise, dokumentierte Messergebnisse, Prüfberichte, MSA-Ergebnisse und Fähigkeitsdaten für definierte Merkmale.
Phase 5: Rückmeldung, Bewertung und Verbesserung
Nach dem Start der Serienproduktion zeigt sich, ob der Prozess beherrscht bleibt.
Ziel der Phase. Nach Serienstart werden Prozessleistung, Produktqualität und Kundenrückmeldungen überwacht; Abweichungen führen zu Korrektur- und Verbesserungsmaßnahmen. Ziel ist die langfristige Erfüllung von Kundenanforderungen und die Reduzierung der Streuung innerhalb der Produktion; das angestrebte Ergebnis ist eine minimierte Streuung in den Fertigungsprozessen.
Bedeutung der Messtechnik. Serienmessungen zeigen Trends, Prozessdrift und Veränderungen der Streuung. Gute Messdaten ermöglichen SPC, gezielte Reaktionspläne und eine sachliche Ursachenanalyse bei Reklamationen oder gesperrten Losen.
Beitrag der industriellen CT. Serienbegleitende CT macht auch innere Qualitätsmerkmale statistisch auswertbar. Automatisierte Auswerteabläufe und definierte Prüfentscheidungen ermöglichen reproduzierbare Prüfungen. Bei Abweichungen liefert die CT zugleich detaillierte Informationen für Ursachenanalyse und Wirksamkeitskontrolle.
Mögliche Arbeitsergebnisse: Trend- und SPC-Daten, Nachweis stabiler Serienqualität, Ursachenanalysen, Wirksamkeitskontrollen sowie aktualisierte FMEA- und Kontrollpläne.
Überblick: Von der APQP-Frage zum CT-Beitrag
Die Tabelle fasst die 5 Phasen zusammen: welche Messfrage jeweils im Mittelpunkt steht, was CT beiträgt und welchen Nutzen das für APQP hat.
| Phase | Zentrale Messfrage | Beitrag der CT | Nutzen für APQP |
|---|---|---|---|
| 1 Planung | Sind die kritischen Merkmale überhaupt zuverlässig messbar? | Machbarkeitsbewertung zu Durchstrahlbarkeit, Auflösung und Prüfkonzept | Prüfbarkeit früh absichern |
| 2 Produkt | Entspricht das reale Bauteil dem Design, auch im Inneren? | 3D-Soll-Ist-Vergleich, Innenmaße, Wandstärken, Defekt- und Montageanalyse | Designentscheidungen objektivieren |
| 3 Prozess | Wie wirken Parameter und Werkzeuge auf die Bauteilqualität? | Quantitative CT-Merkmale aus Versuchs- und Vorserienteilen | Prozessfenster und PFMEA absichern |
| 4 Validierung | Sind Anforderungen reproduzierbar erfüllt? | Definierte Mess- und Prüfberichte für EMPB, PPF/PPAP und Fähigkeitsnachweise | Freigabe auf belastbare Daten stützen |
| 5 Serie | Bleibt der Prozess stabil und beherrscht? | Serienprüfung, Trendanalyse, automatisierte Auswertung und Ursachenanalyse | Drift früh erkennen und verbessern |
Von Messdaten zu Prozessverständnis und Predicted Quality
Besonders wertvoll werden CT-Daten, wenn sie nicht isoliert betrachtet, sondern mit Prozess- und Funktionsdaten verbunden werden. Für jedes untersuchte Bauteil können beispielsweise Maschinenparameter, Materialcharge, Werkzeug oder Kavität, CT-Merkmale und Ergebnisse einer Funktionsprüfung zusammengeführt werden.
So entsteht schrittweise ein belastbares Ursache-Wirkungs-Modell: Welche Prozessgrößen verändern welche inneren Qualitätsmerkmale, und welche dieser Merkmale beeinflussen die Funktion?
Die CT dient dabei zunächst als hochauflösende Qualitätsreferenz. Auf dieser Grundlage können später statistische oder KI-basierte Modelle die Bauteilqualität bereits aus Prozessdaten abschätzen (Predicted Quality). CT-Stichproben bleiben wichtig, um diese Vorhersagen zu validieren und Veränderungen des Prozesses zu erkennen.
Prozessdaten
- Maschinenparameter
- Materialcharge
- Werkzeug und Kavität
CT-Merkmale
- Porenvolumen und Defektgrößen
- Wandstärken und Maße
- Verzug
Funktionsprüfung
- Belastungstests
- Dichtheitsprüfung
- am selben, unzerstörten Teil
Regelmäßige CT-Stichproben prüfen, ob die Vorhersagen stimmen und ob sich der Prozess verändert hat.
Voraussetzungen für belastbare CT-Ergebnisse
Auch ein leistungsfähiges Prüfverfahren erzeugt nicht automatisch belastbare Qualitätsnachweise. Für den Einsatz im APQP sollten folgende Punkte eindeutig festgelegt sein:
- Prüfaufgabe und zu bewertendes Merkmal einschließlich Toleranz oder Akzeptanzkriterium,
- geeignete Scanparameter, Auflösung, Bauteilorientierung und Rekonstruktionsbedingungen,
- einheitliche Auswerte- und Segmentierungsregeln,
- Validierung der Mess- beziehungsweise Detektionsfähigkeit für die konkrete Aufgabe,
- Rückführbarkeit, Dokumentation und Versionierung der Prüfsoftware,
- repräsentative Stichproben und ein klarer Umgang mit Messunsicherheit sowie Grenzfällen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Können wir das Bauteil scannen?“ Sondern: „Können wir das relevante Merkmal mit ausreichender Sicherheit messen oder erkennen und daraus eine belastbare APQP-Entscheidung ableiten?“
Wann CT besonders sinnvoll ist
Auch ein leistungsfähiges Prüfverfahren erzeugt nicht automatisch belastbare Qualitätsnachweise. Für den Einsatz im APQP sollten folgende Punkte eindeutig festgelegt sein:
- qualitätskritische Merkmale liegen im Inneren oder sind geometrisch schwer zugänglich,
- Zerstörung oder Demontage würde den Befund verändern oder weitere Prüfungen verhindern,
- mehrere Maß-, Defekt- und Montagemerkmale sollen aus demselben Datensatz bewertet werden,
- Prozessvarianten oder Versuchsteile müssen schnell und umfassend verglichen werden,
- eine räumliche Zuordnung von Defekten zu Funktionsflächen ist erforderlich,
- bei Reklamationen oder Ausschuss muss die Ursache ohne Vermutungen eingegrenzt werden.
Trifft einer dieser Punkte auf ein kritisches Merkmal zu, gehört die CT-Prüfung von Beginn an in die APQP-Messstrategie.
Wie Microvista den APQP-Prozess unterstützt
Microvista unterstützt Unternehmen nicht nur mit einzelnen CT-Prüfungen, sondern mit einer durchgängigen Daten- und Prüfstrategie entlang des Produktlebenszyklus:
- Full-Service
- Prüfung von Serien, Chargen oder Stichproben
- Professionelle zerstörungsfreie Prüfung
- Alle Materialien und Werkstoffe prüfbar
- Größere Bauteile möglich
- Sehr schnelle Inspektion dank optimierter Prozesse & KI-Automatisierung
- Sinkende Prüfkosten pro Stück mit steigender Stückzahl
Damit wird industrielle CT vom reinen Fehlerdetektor zu einem Entwicklungs- und Prozesswerkzeug: Sie macht Qualität messbar, erklärt Zusammenhänge und liefert die objektive Datenbasis für Entscheidungen im APQP.

Häufige Fragen zur 3D Lohnmessung
APQP steht für Advanced Product Quality Planning, auf Deutsch Produktqualitätsvorausplanung. Die APQP-Methode ist eine strukturierte Vorgehensweise zur Qualitätsvorausplanung über den gesamten Produktentstehungsprozess, von der Definition und Entwicklung eines Produktes bis zur stabilen Serie [1]. Das Verfahren verbindet Qualitätsplanung mit Projektmanagement; der strukturierte Prozess wird in fünf Phasen unterteilt, die durch Quality Gates verbunden sind. Kernziele sind die langfristige Erfüllung der Kundenanforderungen, Fehlervermeidung statt Fehlerentdeckung und die Reduzierung der Streuung in den Fertigungsprozessen. APQP ist damit ein zentraler Prozess im Qualitätsmanagement. Die Methodik vermitteln das Referenzhandbuch der AIAG und entsprechende Schulungen.
Entwickelt wurde APQP 1982 von den drei amerikanischen Automobilherstellern Chrysler, General Motors und Ford. Deren gemeinsame Arbeitsgruppe für Lieferantenqualitätsforderungen trieb die Vereinheitlichung der Handbücher voran, aus der die 1994 veröffentlichten Richtlinien QS-9000 hervorgingen. APQP basiert heute auf dem Referenzhandbuch der Automotive Industry Action Group (AIAG), seit 2024 in der dritten Auflage [1].
APQP ist der übergeordnete Planungsprozess über alle fünf Phasen. Der PPAP (Production Part Approval Process) ist das Freigabeverfahren am Ende von Phase 4: Die Bemusterung entsprechend PPAP belegt gegenüber dem Kunden, dass Produkt und Prozess serienreif sind [2]. PPAP ist damit ein Bestandteil und Ergebnis des APQP, kein konkurrierendes Verfahren.
Verbindlich gefordert ist APQP in der Automotive-Branche über die IATF 16949 [3]. Die Luftfahrt nutzt mit der AS9145 ein direkt abgeleitetes Verfahren [4]. Medizintechnik und andere regulierte Branchen übernehmen die Methodik zunehmend freiwillig, um die Qualität von Produkten und Prozessen abzusichern.
Früh erkannte Fehler kosten einen Bruchteil dessen, was Nachbesserungen in der Serie kosten: APQP verlagert die Fehlervermeidung an den Anfang des Projekts. Dazu kommen klare Verantwortlichkeiten über Quality Gates, belastbare Nachweise für die Freigabe und ein planbarer Serienanlauf mit weniger Reklamationen.
Die zentralen Werkzeuge sind die FMEA (als DFMEA für das Produkt, als PFMEA für den Prozess), der Kontrollplan als Instrument der Prozesslenkung [6], die Messsystemanalyse (MSA) zur Eignungsprüfung der Messsysteme, SPC zur Überwachung der Serienfertigung und QFD zur Übersetzung der Kundenanforderungen. Das Ergebnis bildet die Grundlage für die Erstellung von QM-Plänen; den formalen Abschluss der Validierung bildet der PPAP [2].
Eine zentrale. Lieferanten werden idealerweise bereits in Phase 1 eingebunden, denn die Qualitätsvorausplanung muss sich über die gesamte Lieferkette erstrecken. Zu den frühen Arbeitsergebnissen gehört deshalb die Dokumentation einer Herstellbarkeitsüberprüfung mit dem Lieferanten.
Grundsätzlich in allen fünf Phasen: von der Machbarkeitsbewertung der Prüfaufgabe über Prototypen- und Prozessentwicklung bis zu Validierung, Serienüberwachung und Ursachenanalyse. Intensität und Auswerteumfang ändern sich je nach Phase.
Nein. CT ist Teil einer abgestimmten Messstrategie. Für gut zugängliche Einzelmaße können taktile oder optische Verfahren wirtschaftlicher oder genauer sein. CT ist besonders stark bei inneren, verdeckten und kombinierten Merkmalen.
Ja, wenn die konkrete Prüfaufgabe, das Auswerteverfahren und die Eignung des Messprozesses nachvollziehbar festgelegt sind. CT-Berichte können unter anderem dimensionelle Ergebnisse, Wandstärken, Defekt- oder Montagebewertungen für die Freigabe liefern.
Ja, für eindeutig definierte quantitative Merkmale und bei geeignetem Messprozess sowie repräsentativer Stichprobe. Eine einzelne CT-Prüfung oder eine rein visuelle Bewertung reicht für einen Fähigkeitsnachweis nicht aus.
Möglichst bereits bei der Definition besonderer Merkmale und nicht erst kurz vor der Bemusterung. So lassen sich technische Machbarkeit, Messfähigkeit, Prüfzeit, Kosten und benötigte Kapazität rechtzeitig berücksichtigen.
Quellen und normative Einordnung
Die Aussagen dieses Beitrags stützen sich auf folgende Regelwerke:
[1] AIAG (2024): Advanced Product Quality Planning (APQP), 3. Auflage.[2] AIAG (2006): Production Part Approval Process (PPAP), 4. Auflage.
[3] IATF (2016): IATF 16949:2016. Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme für die Serien- und Ersatzteilproduktion in der Automobilindustrie.
[4] SAE International (2016): AS9145. Aerospace Series: Requirements for Advanced Product Quality Planning and Production Part Approval Process.
[5] VDA QMC (2020): VDA Band 2. Sicherung der Qualität von Lieferungen, Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF), 6. Auflage.
[6] AIAG (2024): Control Plan Reference Manual, 1. Auflage.