Qualitätsmanagement in der Medizintechnik: CT als Prüfwerkzeug für Medizinprodukte

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Ein funktionierendes Qualitätsmanagementsystem nach ISO 13485 beschreibt Prozesse, Dokumentation und Verantwortlichkeiten. Es definiert, was geprüft werden muss. Aber es prüft nichts.

Die physische Prüfung der Medizinprodukte selbst, das Messen, das Analysieren, das Dokumentieren auf Bauteilebene, findet außerhalb des QM-Systems statt. Genau hier setzt industrielle Computertomographie an: CT liefert die Messdaten, die ein Qualitätsmanagementsystem in der Medizintechnik braucht, um von der Papieranforderung zur nachweisbaren Produktqualität zu kommen.

Ob Spritze, Endoskop, Stent oder chirurgisches Instrument: CT erfasst das komplette Bauteil in einem Scan, innen und außen, zerstörungsfrei und rückführbar. Für Hersteller von Medizinprodukten, die regulatorische Anforderungen nach MDR, FDA oder ISO 13485 erfüllen müssen, ist das ein essenzieller Vorteil. Denn Qualitätsmanagement für Medizinprodukte bedeutet nicht nur, ein QMS einzuführen. Es bedeutet, die Qualität des Produktes über den gesamten Produktlebenszyklus messbar sicherzustellen.

Warum CT? Weil Medizinprodukte von innen geprüft werden müssen.

Medizinprodukte sind komplex und oft aus mehreren Materialien zusammengesetzt. Taktile Messmethoden erreichen die relevanten Merkmale nicht. Optische Verfahren sehen nur die Außenseite. Und eine Demontage würde das Produkt zerstören oder seine Funktion beeinträchtigen.

Industrielle CT durchstrahlt das Bauteil vollständig und erzeugt ein dreidimensionales Volumenmodell. Jede Geometrie, jeder Hohlraum, jede Wandstärke, jede Fügestelle wird sichtbar und messbar. In einem einzigen Scan, ohne das Produkt zu berühren.

Das ist besonders relevant bei Medizinprodukten, weil:

Prüfaufgaben: Was CT an Medizinprodukten leisten kann

Maß- und Geometrieprüfung von Bauteilen

Instrumente der minimal-invasiven Chirurgie sind filigran und aus Mehrkomponenten-Systemen aufgebaut. Mit CT lassen sich Innengeometrien messen, die taktil oder optisch nicht zugänglich sind. Toleranzen bis zu 50 µm können je nach Bauteilgröße stabil überprüft werden. Funktionsmaße an Gelenken, Kanälen und Führungen werden validiert, ohne das Bauteil zu demontieren.

Das gilt für komplexe Chirurgie-Instrumente ebenso wie für Spritzkanülen, Katheter-Führungssysteme oder mikrogefräste Metallteile. Überall dort, wo konventionelle Messtechnik an ihre Grenzen stößt, liefert CT vollständige, dreidimensionale Messdaten.

Material- und Strukturprüfung

Bei chirurgischen Instrumenten und Implantaten zählen Sicherheit und Zuverlässigkeit. CT erkennt Risse, Poren und Einschlüsse im Material, prüft Löt- und Schweißverbindungen zerstörungsfrei und kontrolliert dünnwandige Strukturen auf Wandstärkenabweichungen.

Besonders relevant ist diese Analyse bei Nitinol, Edelstahl, Titan und Kunststoff-Hybridbauteilen. Diese Materialkombinationen finden sich in Stents, Führungsdrähten und Verbundbauteilen, also überall dort, wo unterschiedliche Werkstoffe in einer Baugruppe zusammenwirken und Grenzflächen geprüft werden müssen.

Prüfung additiv gefertigter Komponenten

Viele Medizintechnikhersteller setzen additiv gefertigte Teile ein: Halterungen, Mikrostrukturen, filigrane Führungselemente. CT ist hier nahezu alternativlos, um innere Strukturen, Porosität, Stützstrukturreste und Kanalöffnungen zu prüfen. Denn die innere Qualität additiv gefertigter Bauteile lässt sich von außen nicht beurteilen.

Soll-Ist-Vergleich und Digitalisierung

Die durch CT erfassten Datensätze bilden ein Medizinprodukt vollständig in 3D ab. Dadurch muss das physische Teil für nachträgliche Auswertungen und Messungen nicht erneut vorliegen. Ein Soll-Ist-Vergleich gegen die CAD-Konstruktion zeigt Abweichungen farbcodiert und quantifiziert. So lassen sich Fertigungstoleranzen über Serien und Chargen hinweg überwachen.

Montage- und Funktionsanalyse

Miniaturisierte Instrumente bestehen aus Zahnrädern, Bowdenzügen, Dreh-Schiebemechanismen, Clips und Verbindungsteilen. CT erlaubt die Funktionsprüfung im montierten Zustand, ohne das Produkt zu zerstören.

Bei Autoinjektoren oder Spritzen im zusammengebauten Zustand kann CT schnell und zuverlässig überprüfen, ob alle Komponenten korrekt positioniert sind. Das Auseinandernehmen der Baugruppe ist nicht notwendig. Manche Montagefehler sind von außen nicht erkennbar und würden beim Zerlegen des Geräts verloren gehen. CT macht sie sichtbar.

Montage- und Fügekontrolle von Medizintechnik mit industrieller CT
Montage- und Fügekontrolle von Medizintechnik mit industrieller CT

CT im Kontext regulatorischer Anforderungen

ISO 13485: Messdaten für Ihr QM-System

Die ISO 13485 ist die zentrale Norm für Qualitätsmanagementsysteme in der Medizintechnik. Sie fordert von Herstellern von Medizinprodukten ein dokumentiertes QMS, welches die Konformität der Produkte sicherstellt. Dazu gehören messbare Qualitätsziele, validierte Prüfverfahren, strukturierte Verfahrensanweisungen und eine lückenlose Dokumentation. Für Hersteller, die nach ISO 13485 zertifiziert sind oder eine Zulassung anstreben, ist die Integration valider Prüfmethoden in die Managementprozesse verpflichtend.

CT liefert genau diese Datenbasis: rückführbare, wiederholgenaue Messergebnisse, die direkt in die technische Dokumentation einfließen. Jeder Scan erzeugt einen vollständigen 3D-Datensatz, der archiviert und jederzeit nachgemessen werden kann. Das unterstützt sowohl interne Audits als auch die Konformitätsbewertung durch die benannte Stelle. Gleichzeitig können CT-Daten herangezogen werden, um Schwachstellen in Produkten und Prozessen zu identifizieren, bevor sie zu Reklamationen führen.

Anders als die allgemeinere ISO 9001, die branchenübergreifende QM-Anforderungen definiert, adressiert die ISO 13485 gezielt die normativ geforderten Prozessabläufe über den gesamten Produktlebenszyklus eines Medizinproduktes. CT-Prüfungen können dabei in jede Phase eingebunden werden: von der Produktentwicklung über die Erstmusterprüfung bis zur Serienbegleitung.

MDR, IVDR und FDA: Validierung und Verifizierung auf Produktebene

Medizinprodukte unterliegen strengen europäischen Verordnungen. Die MDR (EU-Verordnung 2017/745) fordert gemäß Artikel 10, dass Hersteller ein Qualitätsmanagementsystem einführen, das die Qualitätssicherung auf Produktebene umfasst. Auch die IVDR (EU-Verordnung 2017/746) stellt vergleichbare Anforderungen der MDR an In-vitro-Diagnostika. Die FDA regelt mit 21 CFR Part 820 die Anforderungen für Hersteller, die den US-Markt bedienen. In allen Fällen müssen Hersteller die regulatorischen Anforderungen erfüllen und dies nachweisbar dokumentieren.

Die Validierung und Verifizierung (V&V) des Produktes ist dabei ein zentraler Bestandteil. CT-Messungen können als validiertes Prüfverfahren eingesetzt werden, um nachzuweisen, dass ein Medizinprodukt den bestehenden Qualitätsanforderungen entspricht. Die zerstörungsfreie, vollständige Erfassung ist dabei ein Vorteil, den keine andere Messmethode in dieser Form bieten kann. Für Regulatory Affairs Teams liefert CT die Evidenz, die benötigt wird, um Konformitätsbewertungen effizient vorzubereiten.

CAPA und kontinuierliche Verbesserung: Schwachstellen sichtbar machen

Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen (CAPA) sind ein Kernprozess in jedem QM-System der Medizintechnik. Bei einer Reklamation oder einem internen Qualitätsproblem muss die Fehlerursache schnell gefunden und dokumentiert werden. CT beschleunigt diese Fehlerursachenanalyse erheblich: Statt ein defektes Produkt aufwendig zu zerlegen, wird es gescannt. Risse, Fehlpositionierungen, Porositäten oder Maßabweichungen werden sofort sichtbar.

Das verkürzt die Zeit bis zur Korrekturmaßnahme und liefert gleichzeitig die Dokumentation für den CAPA-Prozess. Im Sinne des PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) unterstützt CT die Check-Phase mit objektiven, reproduzierbaren Messdaten. So lassen sich kontinuierliche Verbesserungen an Produkten und Prozessen nicht nur planen, sondern auf Bauteilebene nachweisen. Für Medizintechnikhersteller, die eine gleichbleibend hohe Qualität über Serien und Chargen sicherstellen müssen, ist das ein wesentlicher Baustein.

Typische Medizinprodukte, die Microvista prüft

Spritzen und Autoinjektoren

Zuverlässige OK/NOK-Selektion mit automatischer Auswertung bei großen Stückzahlen ermöglichen es Bauteile vollständig zu inspizieren, um auch innenliegende Defekte wirtschaftlich zu identifizieren.

Prothesen und Implantate

Ein Soll-Ist-Vergleich an einer Handprothese oder einem Implantat zeigt Abweichungen zwischen Konstruktion und Fertigung auf einen Blick. Die durch CT erfassten Datensätze bilden das Teil vollständig in 3D ab. 

Analysegeräte und Diagnostik

Moderne Analysegeräte, etwa zur Behandlung von Diabetes, bestehen aus feinmechanischen & elektronischen Komponenten. CT kontrolliert die Montage & erkennt innere Defekte, ohne das Gerät zu beschädigen.

Endoskope und chirurgische Instrumente

Die CT-Daten zeigen nicht nur, dass ein Fehler vorliegt, sondern wo er sitzt, wie er aussieht und in welcher Häufigkeit er auftritt. Das schafft Transparenz über die Zustände des Prüflings.

Endoskop Pin mit Lufteinschluss
Endoskop Pin mit Lufteinschluss

Stents und Katheter-Führungssysteme

Auf Basis der Erkenntnisse lassen sich Prozessparameter gezielt anpassen. Mit der Rückführung der CT-Daten in den Fertigungsprozess wird eine datengetriebene Prozessoptimierung ermöglicht.

Stent im CT
industrieller CT-Scan eines Stent-Delivery-Systems

Prozessüberwachung in der Serienfertigung

Für Medizintechnikhersteller mit hohen Qualitätsstandards und engen Toleranzen bietet CT auch in der laufenden Produktion messbare Vorteile:

Rückverfolgbarkeit

Jeder Scan erzeugt einen archivierbaren 3D-Datensatz. Bauteile lassen sich über Serien und Chargen hinweg vergleichen und nachträglich auswerten.

Werkzeugverschleiß erkennen

CT-Daten zeigen systematische Maßabweichungen, bevor sie die Toleranzgrenzen überschreiten. So lässt sich Werkzeugverschleiß frühzeitig erkennen und die Wartung gezielt planen.

Trendanalysen

Über mehrere Chargen hinweg lassen sich Fertigungstrends identifizieren. Schleichende Veränderungen in Wandstärken oder Geometrien werden sichtbar, bevor sie zu Ausschuss führen.

Schnellere Fehlerursachenanalyse

Wenn ein Qualitätsproblem auftritt, liefert CT innerhalb kurzer Zeit die Antwort. Statt langwieriger Demontage und Einzelmessungen zeigt ein Scan sofort, wo die Ursache liegt.

CT-Prüfung für Medizinprodukte bei Microvista

Microvista prüft Medizinprodukte von der Spritzkanüle bis zum komplexen Chirurgie-Instrument. Unsere industriellen CT-Systeme erfassen Objekte mit einem maximalen Hüllkreis von 715 mm und bis zu 1600 mm Länge. Die erreichbare Auflösung liegt im Mikrometerbereich, relevant für die Toleranzen, die in der Medizintechnik gefordert werden.

Unsere Leistungen für die Medizintechnik:

Wir unterstützen sowohl Hersteller als auch Zulieferer und Lieferanten der Medizintechnik. Ob Einzelprüfung in der Entwicklung, Erstmusterprüfbericht nach VDA oder wiederkehrende Serienprüfung: Wir passen den Prüfumfang an Ihre Anforderung an. Unsere Prüfprotokolle und Messdaten lassen sich direkt in Ihr QM-System implementieren und stetig aktualisieren.

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    Häufige Fragen zur CT-Prüfung von Medizinprodukten

    Qualitätsmanagement von Medizinprodukten umfasst alle Managementprozesse, die sicherstellen, dass ein Medizinprodukt die rechtlichen Anforderungen und Qualitätsstandards erfüllt. Auf Bauteilebene bedeutet das: messbare Prüfungen, dokumentierte Ergebnisse, rückführbare Messdaten. CT liefert diese Daten effizient und vollständig, als Teil eines zertifizierten QM-Systems oder als externe Dienstleistungserbringung.
    Grundsätzlich alle Produkte, die in den Messbereich unserer CT-Systeme passen (bis 715 mm Hüllkreis, bis 1600 mm Länge, bis 200 kg). Von der einzelnen Spritzkanüle bis zum kompletten Analysegerät. Besonders geeignet ist CT für Bauteile mit Innengeometrien, Mehrkomponenten-Aufbauten und filigranen Strukturen.
    CT ist ein etabliertes, rückführbares Messverfahren, das als validierte Prüfmethode in das Qualitätsmanagementsystem integriert werden kann. Die Messergebnisse sind reproduzierbar und eignen sich als Nachweis für die Konformitätsbewertung. Entscheidend ist die Validierung des Prüfverfahrens im jeweiligen Anwendungsfall.
    In vielen Fällen ja. CT erfasst den montierten Zustand vollständig. Fehlpositionen, fehlende Komponenten oder falsche Montagereihenfolgen werden sichtbar, ohne das Produkt zu öffnen. Das ist besonders wertvoll bei Einwegprodukten oder sterilen Baugruppen.
    Ein CT-Scan dauert je nach Bauteilgröße und Auflösung typischerweise wenige Minuten bis unter eine Stunde. Die Auswertungsdauer hängt vom Prüfumfang ab – bei großen Stückzahlen nutzen wir Auswertesoftware, welche parallel zum (nächsten) Scan die Ergebnisse liefert. Für dringende Fälle bieten wir einen Express-Service an.
    Ja. CT wird sowohl für Stichprobenprüfungen als auch für 100%-Prüfungen in der Serienfertigung eingesetzt. Automatisierte Auswertungen ermöglichen kurze Taktzeiten. Trendanalysen über mehrere Chargen helfen, Fertigungsschwankungen frühzeitig zu erkennen.